Ein Kind – verschiedene IQ-Werte?

Immer wieder kommt es vor, dass Kinder bei unterschiedlichen IQ-Tests andere Werte bekommen. Woran liegt das?

Zunächst mal ist es ein bekanntes Phänomen, das z.B. IQ-Testergebnisse, die in Gruppentests erhoben werden schwächer ausfallen wenn „hochbegabte Underachiever Gruppentestungen mit Klassenarbeiten, also typischen Misserfolgssituationen in ihrer Vorgeschichte, assoziieren.“ (Preckel & Vock 2020)

Eine kleine IQ-Testergebnisgeschichte einer Schülerin, die keinen IQ-Test in unserer Praxis gemacht hat, sondern von Schulpsychologinnen oder Beratungslehrkräften getestet wurde:

  1. Testung mit dem AID 2 in der 3. Klasse: IQ 150
  2. Testung mit dem KFT 4-12+ R in der 8. Klasse: IQ 122
  3. Testung bei Mensa (Gruppentest): IQ 112
  4. Testung mit dem IST 2000 im Alter von 18 Jahren: IQ >145

Welcher IQ ist nun der richtige?

Ein Testergebnis ist immer eine Momentaufnahme. Hohe Werte können nicht gefälscht sein. Es sei denn die Testleitung vergibt Punkte für falsche Antworten. Aber ein nach den
berufsethisch festgeschriebenen Richtlinien für die Erstellung psychologischer Gutachten erstellter Testbericht der ein hohes Ergebnis ausweist ist als gesichert anzunehmen.

Sie kennen das Phänomen auch von Blutwerten, die je nach Tageszeit und Labor unterschiedlich ausfallen können obwohl alle sich an die Vorgaben halten.

Wenn ein Kind also nicht in seiner Leistungszeit und in einer ungünstigen Umgebung getestet wird dann kommt es häufig zu niedrigeren Ergebnissen.

Außerdem gibt es in der Hochbegabungsdiagnostik noch ein paar Fallstricke. Kinder mit hohem Perfektionismus weißen gerne eine verlängerte Verarbeitungsgeschwindigkeit auf. Sie überprüfen ihre Antworten mehrfach bevor sie die Antwort ankreuzen bzw. sagen. Sind die Fragestellungen zu einfach dann kann es beim Kind zu Leichtsinnsfehlern kommen wenn zu komplex gedacht wird. Auffällig ist dann dass die schwierigeren Aufgaben richtig beantwortet werden.

Manche Kinder gehen nicht in Kooperation mit der Testleitung wenn sie sich nicht verstanden fühlen oder sich unwohl fühlen. Dann kann es sein, dass keine Antworten gegeben werden obwohl das Kind die Antwort kennt.

In Gruppentests mit Multiple Choice Aufgaben können hochbegabte Kinder ungeduldig und oberflächlich arbeiten wenn sie z.B. im Underachievement stecken.

Manche IQ-Tests weisen Deckeneffekte in der Hochbegabungsdiagnostik auf. Siehe dazu die Erklärung von Anne-Kathrin Stiller von der Karg-Stiftung :

„Ein Intelligenztest, der zur Feststellung einer Hochbegabung im Rahmen einer psychologischen Diagnostik eingesetzt wird, muss auch im (extrem) hohen Fähigkeitsbereich noch zuverlässig und differenziert messen. Dies ist nur möglich, wenn der Test schwer genug ist. Ein ausreichender Teil der Aufgaben (Items) muss so konstruiert sein, dass nur (sehr) wenige Kinder in der Lage sind, sie zu lösen. Ist der Test zu leicht, entstehen sogenannte Deckeneffekte: Kinder im oberen durchschnittlichen Bereich und hochbegabte Kinder schneiden dann gleich gut ab. Es fehlen schwierige Items, die es ermöglichen, zwischen Kindern mit sehr guten, überdurchschnittlichen oder weit überdurchschnittlichen Fähigkeiten zu unterscheiden. Über eine mögliche Hochbegabung kann keine Aussage getroffen werden. Deckeneffekte sind für Testanwender:innen in den Normtabellen des Testmanuals ersichtlich. Entscheidend ist eine feine, gleichmäßige Schwierigkeitsabstufung der Testitems im hohen Leistungsbereich.“

Anne-Kathrin Stiller vom Fachportal Hochbegabung

Manchmal werden auch IQ-Tests mit veralteten Normen verwendet so wie beim 2. Test der oben genannten Schülerin. Die Schulpsychologin hatte keine aktuellen Testverfahren zur Verfügung und auch kein Budget um neuere Verfahren zu kaufen.

Viele dieser Fallstricke sind Eltern nicht bekannt. Regelmäßig informieren wir deswegen in einem Vortrag darüber, den wir einmal pro Jahr im Netzwerk für Begabung anbieten.

Das Fachportal Hochbegabung der KARG-Stiftung hat alle gängigen IQ-Testverfahren auf deren Eignung für die Begabungsdiagnostik überprüft und veröffentlicht. Sie können hier auf der Website sich die Rezensionen anschauen und die IQ-Tests vergleichen.

Hochbegabtes Bauernkind – meine Geschichte

Hochbegabtes Bauernkind – meine Geschichte

Ein Bauernkind bin ich. Auf einem kleinen Dorf mit etwa 500 Einwohnern aufgewachsen.

Ich war das jüngste Kind und das einzige Mädchen in meiner Familie. Noch dazu mit einem außergewöhnlichen Vornamen. Irgendwie habe ich mich immer anders gefühlt als die anderen Kinder im Dorf. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, nie dazuzugehören. Weder im Kindergarten noch in der Grundschule und danach auch nicht.

Die erste Klasse war noch gut – dort bekam ich viel Freiraum und mein Lehrer mochte mich. Das spürte ich auch und fühlte mich angenommen. In der 2. Klasse wechselte ich den Schulort. Die Lehrerin dort hatte ich dann 3 Jahre. Eine Zeit in der sie es schaffte, dass ich meinen Glauben an meine mathematischen Fähigkeiten verliere. Auch lernte ich erste Ungerechtigkeiten kennen. Wenn das Mädchen aus dem Akademikerhaushalt neben mir in der Deutschprobe (die sie von mir abgeschrieben hatte) eine besser Note bekam als ich, wusste ich sehr genau woran das lag….

Gymnasium

Die Noten reichten fürs Gymnasium – also wechselte ich dahin. Das Gymnasium empfand ich als einen kalten und beziehungslosen Ort. Der schwarze Steinfußboden stand synonym für meine Gefühle an diesem Ort.

Ein Mädchen aus der Stadt wurde meine Schulfreundin. Sie liebte Pferde und hatte vermutlich auch deshalb keine Abneigung gegen ein Bauernmädchen. Einmal meinte sie – ich kam mit meinen Eltern zu einer Abendveranstaltung ans Gymnasium – ich rieche so gut. In mir rasten die Gedanken durch den Kopf – was, rieche ich nach Stall? Ich bin doch nur am Stall entlang gelaufen und war gar nicht drin… Sie bemerkte meine Irritation und führte aus: „Du riechst nach Milch.“ Die Peinlichkeit war geschehen und ich fühlte mich beschämt. Das Bauernmädchen, man riecht es sogar. Ich spürte, das ich „unter“ ihrem Stand war. Ihre Eltern waren akademisch gebildet – meine nicht. Die Herkunft brachte eine unsichtbare, aber für mich spürbare Stufe zwischen uns. Ich mochte sie sehr aber ich spürte immer auch den Unterschied.

Der Englischlehrer teilte die Probenergebnisse aus. Zu mir blickend sagte er: „Olivera….“ Alle blickten prustend und lachend zu mir. Mein Lehrer lief rot an und faselte was von: „.. das ist ein typischer Name in Italien“. Dabei fasste er sich an den Kopf und lief rot an. Ich wäre am liebsten im Boden versunken vor Scham und Fremdscham.

Mein Mathelehrer in der 7. Klasse – die anderen davor halfen mir sehr dabei meine Matheblockade zu verstärken – teilte die Ex aus und verkündete bei mir feierlich, dass ich es diesmal sogar zu einer 5 geschafft hatte. Er sah dabei zugewandt und nett aus. Vermutlich merkte er gar nicht, wie sehr er mich damit beschämte.

Häufig fiel es den Lehrkräften nicht auf, wie sehr ihr Verhalten die Schülerinnen und Schüler beschämte. Bis heute fehlt Lehrkräften viel an pädagogischem Fachwissen. Sie lernen Didaktik und Methodik aber alle Bereiche zur Beziehungsförderung werden vernachlässigt. Das spüren dann auch die Schülerinnen und Schüler.

Wechsel an die Realschule

Mitte der 7. Klasse wechselte ich mit 2 Fünfern im Zeugnis – man ahnt es: in Mathe und Latein – auf die Realschule. Latein wählte ich übrigens weil es als einfacher angepriesen wurde. Man könne es viel leichter lernen als Französisch. Später auf der Realschule habe ich freiwillig Französisch am Nachmittag gelernt. Erstaunlicherweise viel es mir um Welten einfacher als Latein. Vielleicht lag es auch an der Sinnhaftigkeit? Schließlich konnte ich es anwenden, wenn wir über den gemeindlichen Austausch wieder Gäste aus Frankreich beherbergten.

Mein Mathelehrer an der Realschule war zugewandt und nett. Er ging im Unterricht auch mal durch die Klasse und erklärte einzelnen Schülerinnen und Schülern etwas wenn er bemerkte, dass sie es noch nicht verstanden hatten. Meine Noten in Mathe verbesserten sich ohne weiteres Zutun auf eine 3. Aber mein Glaube an meine mathematischen Fähigkeiten, meine Angst vor Beschämung in diesem Fach waren so groß, das ich den vermeintlich leichtesten Zweig an der Schule wählte: Den hauswirtschaftlichen Zweig ohne Mathe. Das ging damals in Bayern!

Hauswirtschaft und Soziales

Von meinem Empfinden her war der soziale, hauswirtschaftliche Zweig für diejenigen gedacht, die nicht clever genug waren für Wirtschaft oder Technik. Wir waren zwar zuständig für die Verpflegung bei Schulveranstaltungen und mussten vieles organisieren, aber das Ansehen dafür war gering. Wir hatten auch Unterricht in Wirtschaft und Rechnungswesen bei unserem Schulleiter. Aber dem war es so unwichtig uns zu unterrichten, dass 2/3 des Unterrichts gar nicht stattfand. Manchmal bekamen wir einen Ersatzlehrer, der uns dann in hoher Geschwindigkeit mal eben Rechnungswesen erklärte und entrüstet war, wie wenig wir darüber wussten. Laut unserem Schulleiter hatten wir sogar eine gut ausgefallene Ex geschrieben, die wir nie geschrieben hatten. Für uns fühlte es sich an als wären wir halt nicht wichtig genug um ordentlich unterrichtet zu werden. Keine Ahnung wie wir alle trotzdem die Abschlussprüfung in Rechnungswesen geschafft haben….

Dennoch – ich fühlte mich wohler an dieser Schule. Die Lehrkräfte waren zugewandt und schienen tatsächlich Interesse an uns zu haben. Das hatte ich am Gymnasium ganz anders wahrgenommen. Mein Selbstvertrauen war allerdings schon so beschädigt, dass ich für jede Ex und jede Schulaufgabe einen Spicker parat hatte. Nie wurde ich damit erwischt – ich war doch das ruhige und angepasste Mädchen. Meine Herkunft spielte an der Realschule keine Rolle. Es gab einfach mehr Landeier wie mich an der Schule. Meine Noten waren gut und lernen musste ich nie. Ich spickte mich durch bis zu den Abschlussprüfungen. Das war das erste Mal, das ich tatsächlich lernte. Und da war ich überrascht, das ich doch lernen konnte und gute Noten bekam. Komisch….

Berufsleben

Der Start ins Berufsleben verlief holprig. Ich ergatterte einen Ausbildungsplatz in einem Verlag. Bürokauffrau war nun wirklich nicht mein Traumjob. Aber mit Realschulabschluss damals gab es nicht so viel Auswahl. Der Verdienst war gut und nach 2 Wochen durfte ich schon die Aufgaben eines Azubi im 2. Lehrjahr übernehmen. Dann kam die Seniorchefin vom Urlaub zurück und mobbte täglich meine Kolleginnen. Ihre verbalen Attacken und ihre Ungerechtigkeiten waren für mich kaum zu ertragen. Als sie mich dann auch noch ins Visier nahm kündigte ich fristlos.

Dann kam ein kurzer Abstecher an die FOS und schließlich landete ich in einer Übertrittsklasse an einem Gymnasium in Augsburg. Auf meine Frage nach Hilfe bezüglich der fehlenden Mathejahre bekam ich eine abweisende Antwort – das gibt es nicht. Ich müsse den Stoff selber nacharbeiten. Die Atmosphäre an dem Gymnasium erinnerte mich sehr an früher. Auch hier hatte ich das Gefühl als Person zu verschwinden und nur in meiner Rolle als Schülerin wahrgenommen zu werden. Ist halt nicht gut, wenn Lehrkräfte kaum pädagogische Ausbildung haben (bis heute ist das leider so bei Gymnasiallehrkräften).

Ich kämpfte mich mit der Hilfe meiner Brüder durch Mathe der letzten 3 Jahre und schaffte es sogar, den Stoff aufzuholen. Dabei kamen aber die anderen Fächer zu kurz und natürlich schaffte ich es noch nicht in der Geschwindigkeit zu arbeiten wie die anderen. Kurzum – meine Noten waren im unteren Bereich. Meine Anstrengung wurde nicht gewürdigt und ich nicht von der Schule unterstützt. Zum Halbjahr brach ich ab.

Ich begann ein Praktikum an einer Behinderteneinrichtung. Zum einen um Geld zu verdienen, zum anderen um meine Lebenszeit sinnvoll zu nutzen. In mir reifte der Entschluss Physiotherapeutin zu werden. Das schien mir ideal für mich. Kein Mathe, selbständig mit Menschen arbeiten können und sinnvolles Wissen erwerben. Doch damals war es schwer mit einem Realschulabschluss einen Schulplatz zu bekommen. Alle privaten (eigentlich unbezahlbaren) und staatlichen Schulen lehnten mich ab oder ich kam nur auf Nachrücklisten. Wer Abitur hatte wurde bevorzugt. In der Wartezeit machte ich eine kurze Ausbildung zur Kneipp- und med. Bademeisterin. Ich machte das auch um mich auf die Physiotherapeutinnen-Ausbildung vorzubereiten. Leider brachte das keinen Erfolg. So kam Plan B zum Zug: Kinderkrankenschwester-Ausbildung in Karlsruhe.

Die brachte ich tatsächlich zum Abschluss. Aber mit der Gewissheit niemals in der Pflege arbeiten zu wollen.

Berufsausbildung abgeschlossen – zurück auf Null

Das Beste an der Zeit in Karlsruhe war dass ich meinen Mann kennenlernte. Endlich jemand der mir auf Augenhöhe begegnete und mich verstand. Beruflich kamen noch ein paar kleinere Stationen im Sozialpädiatrischen Zentrum, Kinder- und Jugendpsychiatrie, ambulanter Kinderpflegedienst und gynäkologische Praxis dazu. Dann kamen erst mal unsere Kinder und ich stieg aus dem Erwerbsleben aus.

Ab jetzt: Hochbegabt!

Mein Leben wäre vermutlich weiter in diesem Underachievement mit Minderwertigkeitsgefühlen, unbefriedigenden Jobs und der Wahrnehmung das ich einfach zu dumm für diese Welt sei, verlaufen wenn nicht bei meinen Kindern die Hochbegabung festgestellt worden wäre. Um zu verstehen woher es kommt und ob ich auch betroffen bin, ging ich zur Testung. Tadaaa: Hochbegabt! Sogar im mathematischen Bereich!

Bis heute spüre ich die Narben in meiner Persönlichkeit. Narben aus den Jahren der Minderwertigkeit, der schlechten Bewertungen von Lehrkräften. Blockaden wenn´s ums Lernen geht usw. Manches ist weicher geworden. Manches scheint immer noch unüberwindbar. Aber täglich mehrt sich die innere Freiheit.

Folgen des Underachievements

Mittlerweile war ich als weitergebildete Familien- und Gesundheitskrankenpflegerin im Bereich Frühe Hilfen aktiv. In meiner Freiberuflichkeit wurde ich vom Jugendamt vermehrt als Sozialpädagogische Familienhilfe „light“ eingesetzt. Da ich eine Ausbildung zur therapeutischen Seelsorgerin gemacht hatte konnte ich in schwierigeren Fällen gut eingesetzt werden. Natürlich nur zum Gehalt der Kinderkrankenschwester. In der sozialen Arbeit gibt es viel Ausbeutung! Mein Hunger nach Weiterbildungen war geweckt. Denn das machte Spaß und ich musste nix lernen um gut darin zu sein! Finanziell war der Job ein Desaster und in der Corona-Zeit brachen einfach viele Einnahmen weg. Das geht nicht wenn man 3 Kinder hat und auch der Ehemann im sozialen Bereich arbeitet.

Studiere doch einfach! Das war die Lösungsidee von Freunden. Wenn das so einfach gehen würde. Zum Studieren braucht man Zeit und Geld. Wenn beides nicht vorhanden ist und auch ein Studienplatz an den schlechten Abschlussnoten der Ausbildung scheitert ist es schwierig. Soziale Arbeit wollte ich studieren. Auf 2 berufsbegleitende Studienplätze kam ich auf die Warteliste auf einen aussichtslosen Platz. All meine Weiterbildungen und Berufserfahrungen wurden nicht anerkannt. Ein Fernstudium kam für mich nicht in Frage. Ich könnte mir nie vorstellen mein Lernen selbständig zu organisieren ohne direkte Rückmeldung. Vermutlich würde ich monatelang bezahlen ohne vorwärts zu kommen. Das finanzielle Risiko war mir zu hoch.

Wenn man nicht die passenden Papiere hat dann hilft auch die Intelligenz nicht weiter. Denn um Intelligenz geht es nicht.

Ein Sicherheitsausflug (sicheres Einkommen, soziale Absicherung) ins Amt (während Corona) für 3 Jahre zeigte mir aber dass ich mich nicht dauerhaft langweilen kann ohne mentalen Schaden davon zu tragen. Ich brauch täglich kognitive Herausforderungen für mein Wohlbefinden und meine mentale Gesundheit.

Selbst Ständig Frei

Über einige Jahre hinweg war ich schon nebenher im Bereich Beratung und IQ-Testung selbständig. Jetzt war der Moment gekommen, mich zu 100 % selbständig zu machen. Und das war die beste Entscheidung meines Lebens. Einfach machen und nicht aufgeben. So mache ich jetzt täglich das, was mir Spaß macht. Und es gelingt. In völliger Unabhängigkeit, keinem Verein, keinem Arbeitgeber Rechenschaftspflichtig sondern nur den Menschen gegenüber, die ich begleiten darf. 4 Elterngruppen sind seither entstanden und viele Kinder konnten sich psychisch stabilisieren, Klassen überspringen und ihr Selbstvertrauen stärken. Familien können entspannter mit ihren Kindern umgehen. Lehrkräfte schlagen neue Wege ein um die intelligenten Kinder besser fördern zu können – übrigens zum Vorteil auch für die anderen Kinder.

Es ist viel passiert seit ich den Zugang zu meinem Potential gefunden habe. Es wäre aber ganz anders gekommen wenn die Hochbegabung nicht entdeckt worden wäre. Das habe ich meinen Kindern zu verdanken!

Bis heute werden hochbegabte Kinder in den Schulen zu selten erkannt und noch weniger gefördert. Gerade die braven angepassten Mädchen laufen Gefahr Minderwertigkeit und Depressionen spätestens im Erwachsenenalter zu erleben wenn sie nicht gefördert werden. Mein Fokus ist nie die erfolgreiche Schulkarriere sondern die mentale Gesundheit und stabile Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. Das ist auf Dauer wichtiger als sich für ein kaputtes Schulsystem anzupassen.

Mein eigener Lebensweg hilft mir dabei, den Zugang zu den unentdeckten Frauen in den helfenden Berufen zu bekommen. Denn Hochbegabung kommt in j e d e m Beruf und in j e d e r sozialen Schicht vor! Ich habe mich davon verabschiedet die passenden Papiere zu bekommen um anerkannt oder angenommen zu werden. 

Gelungene Förderung von hochbegabten Kindern – ein Erfahrungsbericht

Mama-Joker und Sütterlin

Omas Geheimschrift

Corona? Unsere Schule macht das Beste daraus!

Unserer Tochter geht es derzeit in ihrer Schule richtig gut. Corona ist natürlich da und die Möglichkeiten im Schul-Alltag leider viel eingeschränkter, aber unsere Schule macht wirklich das Beste daraus. Das Kollegium findet immer wieder Lösungen, auch mit Hygienebestimmungen, Abwechslung zu bieten. Ein Beispiel: Der Tag nach dem Nikolaus-Wochenende wurde besonders gestaltet. Ein Theater war engagiert und zu Besuch in der Schule. Es wurde ein kurzes Theater-Stück mit Marionetten einstudiert, so dass es an einem Vormittag mehrmals und für jede Jahrgangsstufe (mit genügend Abstand) separat im großen Foyer gespielt werden konnte. Bei den Kids kam es super an.

Mit Englisch wird es nicht mehr ganz so langweilig.

Das „Niveau“ von der zweiten in die dritte Klasse hat jetzt (zum Glück) angezogen, Englisch ist als Unterrichtsfach dazu gekommen und somit ist es nicht mehr ganz so langweilig.

iPads in der Grundschule

Auch bei uns in der Schule gibt es einen neuen Klassensatz iPads, welcher erfreulicherweise sehr regelmäßig im Schulalltag zum Einsatz kommt. Aktuell wird im Unterricht eine Buchpräsentation mit Keynote (Präsentations-App) selbständig von jedem Kind erarbeitet. Die Grundlagen und der Umgang mit dem iPad wurden vorab in HSU vermittelt und geübt. Richtig anspruchsvoll, aber so ist unser Kind gut gefordert.

Wir hatten schon immer großes Glück mit den Lehrerinnen, die auch auf die leistungsstärkeren Kinder eingehen.

Mama-Joker

Ich lege immer wieder mal einen „Mama-Joker“ in die Hausaufgaben-Mappe. Spannende Rätsel, selbst gestaltete „Arbeitsblätter“ mit Themen, die mein Kind interessieren. (Kommt dann meist zum Einsatz, wenn es in der Schule eine langweilige Phase oder uninteressante Themen gibt). Wir hatten auch schon die Mathe-Briefe vom DGhK aboniert, aus denen ich immer wieder Aufgaben zum Knobeln rausziehe. Damit wird so manche Still- und Freiarbeit im Unterricht aufgepeppt. So sie ist nicht genötigt, immer was zu malen wenn sie auf die anderen Kinder warten muss. (Ausmalen ist leider immer noch sehr bei GS-Lehrern beliebt – selbst in der dritten Klasse).

Privates Enrichment

In der Freizeit ist die gesamte Familie im privaten Enrichment involviert. Die Oma malte große Leinwände mit bestimmten Acryl-Techniken, der Opa (ehemals Elektriker) erklärt aktuell den GeoLino Adventskalender Technik&Elektronik bis ins kleinste Detail.

Uroma ist cool – sie kann eine Geheimsprache!

Die Uroma hat ein uraltes weihnachtliches Gedicht von ihrem Opa aus dem Erzgebirge in altdeutscher Schrift ausgekramt. Das wurde dann mit großer Begeisterung „übersetzt“ und wird jetzt für den Heilig Abend auswendig gelernt. (Sütterlin ist aktuell die Geheimsprache).

Auch unsere Fremdsprachen-Wörterbücher und Reiseführer aus aller Welt werden für die Freizeitgestaltung von unserem Kind gerne genutzt.

Familienleben individuell gestalten – jenseits der „Norm“

Wir haben gelernt, dass wir als Eltern unser Kind in der Entwicklung immer gut beobachten. Es ist aus meiner Sicht so wichtig den Alltag und das familiere Umfeld individuell auf uns und unser Kind abzustimmen und zu gestalten. Wir orientieren uns nicht an dem, was in unserer Gesellschaft als „normal“ angesehen wird.

Das Kinderzimmer wird zum Schreibwarenladen

Bei uns ist bespielsweise zwischenzeitlich das Kinderzimmer eine Kombination aus halben Schreibwarenladen und Bücherei geworden. Wir haben zugelassen, dass hier Locher, Tacker, Leuchtstifte, Flipchartmarker, viel Papier, viele Bücher, Ordner und Schnellhefter usw. schon vor dem Schulstart einziehen durften. Damit sorgten wir für ausreichend Freiraum zum Beschäftigen. In unserem Hobbykeller gibt es eine Bastelecke mit viel Zubehör zum kreativen „Austoben“ und Experimentieren.

Kreatives Chaos

Im Wohnzimmer haben wir einen großen Bereich für das vorhandene Playmobil-Universum freigegeben. Wir finden, dass das Spielen im Lebensmittelpunkt und in Elternnähe (Rollenspielen und Fantasiegeschichten inklusive) unser Kind bereichert, zufrieden und glücklich macht. Beim Thema „kreatives Chaos“ drücken wir hin und wieder ein Auge zu.

Familie Z.

Winkelfehlsichtigkeit oder Schiefhals (Torticollis)?

Häufig stelle ich während der IQ-Testung bei hochbegabten Kindern eine Winkelfehlsichtigkeit oder auch einen Schiefhals fest. Zunächst mal – was ist das?

Winkelfehlsichtigkeit ist ein verstecktes Schielen.

Die Sehachsen der Augen weichen voneinander ab. Das kann an einer unterschiedlichen Länge der Augenmuskeln liegen oder aber an einer vorliegenden Innervationsstörung dieser Muskeln.

Das fällt so meist gar nicht auf. Erst beim genaueren Hinsehen (man braucht viel Erfahrung) kann man es erkennen. Es ist die Art und Weise, wie die Arbeitsmaterialien vor sich gelegt werden, die darauf aufmerksam machen.

Die Kinder leiden unter Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Doppelbildern, Augenbrennen, Müdigkeit oder Konzentrationsschwäche.

Mit einer Prismenbrille kann den Kindern geholfen werden. Die Beschwerden bessern sich schnell. Übrigens – sollte das Ergebnis eine leichte Winkelfehlsichtigkeit sein, die noch nicht behandlungsbedürftig sei so lassen sie trotzdem eine Brille machen. Je höher der IQ desto stärker reagieren die Kinder meiner Erfahrung nach auf solche Abweichungen.

Durch diese Hilfe kann aus einer zu langsamen Arbeitsweise ein deutliche Verbesserung erreicht werden. Übrigens macht das auch bei der IQ-Testung schnell mehrere Punkte aus.

Der Schiefhals ist schwerer festzustellen in der Testung.

Er kann durch eine falsche Einstellung des Babys im Mutterleib entstehen oder durch ein Geburtstrauma.

Die seitlichen Muskelstrecker am Hals sind einseitig verkürzt oder es ist bereits eine veränderte knöcherne Struktur im Nacken vorhanden. Beides führt dazu dass die Kinder eine „Lieblingsseite“ haben. Den Kopf häufiger schief halten oder auch abstützen müssen.

Die Achsensymmetrie ist gestört. Sie haben Verspannungen im Bereich vom Nacken. Es können dadurch auch Asymmetrien im Gesicht entstehen.

Mit einer gezielten krankengymnastischen Behandlung kann den Kindern geholfen werden. Ist die knöcherne Struktur beteiligt so brauchen die Kinder bis sie ausgewachsen sind häufig nach jedem Wachstumsschub eine Behandlung weil dann der Kopf quasi wieder zurückrutscht.

Hochbegabte Kinder haben dadurch ausgelöst auch Konzentrationsschwierigkeiten oder Schwierigkeiten beim Schreiben. Die muskulären Auffälligkeiten im Bereich des Halses haben auch Auswirkungen auf die motorischen Aktivitäten von Armen und Händen.

Durch meine medizinische Ausbildung als Kinderkrankenschwester fällt es mir leichter solche Auffälligkeiten in der Testung zu sehen.

Nach erfolgter Behandlung verbessern sich die Symptome bei den Kindern schnell.

-> Da hochbegabte Kinder schon auf kleinste Ungereimtheiten stark reagieren fühlen sie sich auch durch dies Auffälligkeiten kognitiv beeinträchtigt. In Retestungen nach erfolgter Behandlung zeigt sich häufig eine deutlich bessere kognitive Leistung. Auch die schulischen Herausforderungen werden leichter gemeistert.

Langsame Hochbegabte

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    „Langsame Hochbegabte“

    3 Stunden Hausaufgaben täglich wo andere nur 1 h brauchen? Der kann doch nicht hochbegabt sein!

    „Langsame Hochbegabte“ gibt es auch. Endlos an den Hausaufgaben sitzen, im Unterricht die Hefteinträge nicht fertig bekommen, und immer zerstreut sein.

    Es gibt hochbegabte Kinder, die genau diese Symptome zeigen. Auffällig ist meist auch die Langsamkeit beim Schreiben, die sich auch mit einem anderem Stift oder Ergotherapie nicht beheben lässt. Auch die Händigkeit scheint keinen Einfluß darauf zu haben. Das Phänomen ist sowohl bei Rechts- als auch bei Linkshändern zu beobachten.

    Ausgeprägte Selbstbestimmung und das Familienleben mit langsamen Hochbegabten

    Vor allem Kinder mit einem sehr ausgeprägten Selbstbestimmungsdrang neigen zu diesem Phänomen. Sie haben einen tiefen inneren Widerwillen für die aus ihrer Sicht unsinnigen Aufgaben. Alles zieht sich wie Kaugummi und kein Motivationstrainer der Welt kann daran etwas ändern. Dabei machen Sie Leichtsinnsfehler und haben scheinbar gar keinen Durchblick mehr. Im Kopf verschwimmt alles, eine innere Blockade dehnt sich aus. Die einfachsten Aufgaben werden nicht mehr bewältigt.

    Für die Familie ist das eine äußerst belastende Situation. Die Eltern versuchen alles um das Kind zu den Aufgaben zu motivieren. Von der Schule kommt häufig das Feedback, das alle anderen ja viel schneller sind. Und allzu oft wird dann die Hochbegabung in Zweifel gezogen, weil man glaubt: Hochbegabt = megaschnell. Dem ist mitnichten so.

    Und was passiert im Gehirn bei diesen Kindern?

    Was viele nicht wissen ist, dass der Cortex bei Kindern mit Hochbegabung deutlich dicker ist als bei normal begabten Kindern. Damit nehmen die Kinder wesentlich mehr Informationen auf und bearbeiten diese als die anderen. Dazu kommt noch, dass Kinder mit Hochbegabung eine defizitäre latente Inhibition haben. Damit ist der kognitive Prozess gemeint, der es uns ermöglicht, die Stimuli und Informationen, die unser Gehirn aufnimmt, zu sortieren und nach Wichtigkeit zu klassifizieren. Also einfach ausgedrückt: der Filter funktioniert noch nicht. Es dauert etwa bis zum 12. Lebensjahr, bis es damit besser wird. Das ist in etwa der Zeitraum, in dem der Cortex sich abflacht. Bei normal begabten Kinder geschieht das in der 3./4. Klasse.

    Unsere Schrift ist ein Spiegelbild unserer Seele. Innere Blockaden zeigen sich deutlich beim Schreiben. Nicht eine technische Hilfe führt zur Verbesserung sondern eine Lösung für die inneren Blockaden.

    Nun, was hilft langsamen hochbegabten Kindern?

    Tipps für Lehrkräfte:

    • Weniger ist mehr. Allein die schiere Fülle an Heften (im Grundschulalter meist 3 Hefte pro Fach) mit unterschiedlichen Farben, Wochenplänen, Übungsblätter, Übungshefte usw. erschlägt so manches Kind. Die Klassenzimmer in Grundschulen sind regelrecht überfrachtet mit Informationen. Wenn das Kind alles gleichzeitig aufnimmt und wahrnimmt und dann nicht filtern kann, wird es schon allein durch diese äußeren Strukturen verlangsamt.
    • Wenn das Schreiben so langsam ist, wie wäre es dann mit wissenschaftlichen Texten, die das Kind interessiert für die Rechtschreibübung? Für die Rechtschreibübung ist es ja egal, ob das Kind über Igel schreibt oder über Kernspaltung. Übrigens: Hochbegabte Kinder vermehren ihre Leichtsinnsfehler wenn sie viel üben müssen. Wenig üben und dann schnell vertiefen kann die Situation verbessern. 
    • Die Kinder möchten ernst genommen werden. Auch wenn sie manchmal umfangreich und detailreich über ihre Lieblingsthemen berichten möchten. – Schaffen Sie Raum dafür. Wie wäre es mit einem Referat über das Thema anstatt der normalen Hausaufgaben? Damit wecken Sie die Motivation des Kindes und es fühlt sich wertgeschätzt.
    • Mobbing beenden. Häufig machen diese Kinder Mobbingerfahrungen in der Schule. Ziehen sie externe Fachkräfte z.B. Schulsozialarbeiter hinzu um Mobbingprozesse zu beenden. Mobbing ist eine Lösungsstrategie der Kinder für Konflikte. Die Kinder müssen andere Lösungsstrategien lernen. Dazu eignen sich soziale Kompetenz-Trainings. Mit den „Mobbern“ zu sprechen beendet meist nicht das Mobbing. Auch ein extra Elternabend dafür beendet es nicht.
    • Andere Lösungswege- und möglichkeiten zulassen. Hochbegabte Kinder rechnen häufig anders als die anderen. Sie finden eigene Wege. Wenn diese auch zielführend sind, dann sollte man sie nicht daran hindern. Selbst wenn es vom Lehrplan abweicht.
    • Nehmen Sie Beratung in Anspruch. Gerne kann ich Ihnen auch völlig anonym eine telefonische Beratung anbieten.

    Tipps für Eltern langsamer hochbegabter Kinder:

    • Zuallererst: bleiben Sie ruhig! Okay, ich weiß, das ist schwer! Ihr Kind kann nichts dafür. Das System ist nicht gemacht für ihr Kind. Bauen Sie das Selbstvertrauen Ihres Kindes wieder auf. Diese „langsamen“ Hochbegabten fühlen sich meist sehr dumm. Denn nur wer schnell, ist sei ja auch klug.
    • Strukturieren Sie gemeinsam mit Ihrem Kind die Hausaufgaben und setzen sie eine zeitliche Begrenzung pro Fach. Am besten besprechen Sie das vorab mit der Lehrkraft, damit ihr Kind auch eine „innere Genehmigung“ dazu hat.
    • Holen Sie sich Unterstützung in einer Elterngruppe.
    • Bleiben Sie im Gespräch mit den Lehrkräften und werben sie um eine innere Binnendifferenzierung. Vielleicht können Sie auch die ein oder andere spannende Idee mit einbringen.
    • Nehmen Sie im Alltag Druck raus und sorgen Sie für spaßige und entspannte Momente. Hausaufgaben sollten nicht das ganze Leben bestimmen!
    • Wenn alles nicht hilft dann überlegen Sie, ob ihr Kind mit einer anderen Lehrkraft oder einer anderen Klassengemeinschaft besser zurecht kommt. Vielleicht hat die Lehrkraft der Parallelklasse schon mehr Erfahrung mit Hochbegabten.
    • Oder ihr Kind überspringt eine Klasse. Selbst Kinder mit schlechten Schulleistungen aber erkannter Hochbegabung können in der Grundschule eine Klasse überspringen, ohne in eine Überforderung zu geraten. Alles hängt aber davon ab, ob die aufnehmende Lehrkraft bereit ist, das Kind zu unterstützen und dem Überspringen positiv gegenüber gestimmt ist.
    • Manchmal ist es hilfreich Kontakt zu einer Beratungslehrkraft aufzunehmen und die Möglichkeiten dort zu besprechen.
    • Laden Sie die Lehrkraft zum Stammtisch der Elterngruppe Günzburg oder zum Elterntreff nach Roggenburg ein. Hier sind regelmäßig Lehrkräfte und Schulleiter dabei. Das fördert einen gelingenden Austausch und vermehrt das Wissen über die Herausforderungen mit hochbegabten Kindern auf beiden Seiten. Nur im Miteinander lassen sich Lösungen finden.

    Schwarze Zähne bei vergessenen Hausaufgaben

    Du betrachtest gerade Mama ich hab einen schwarzen Zahn – wie Kinder in Grundschulen an den Pranger gestellt werden

    „Mama ich hab einen schwarzen Zahn“ – wie Kinder in Grundschulen an den Pranger gestellt werden

    Mein Sohn kam in die erste Klasse. Als wir das Klassenzimmer sehen durften freute ich mich über die Froschgesichter von Janosch an der Wand. Jedes Kind hatte so einen Frosch mit seinem Namen an der Wand hängen. Süß dachte ich noch – wusste ich ja noch nicht wozu diese Frösche gedacht waren. Schließlich war die Lehrerin so nett bei der Begrüßung und hat die Kinder mit ihren Eltern herzlich willkommen geheißen. Ich war einfach froh, dass mein Sohn eine nette junge Lehrerin bekommen hat.

    Leider habe ich als Mama es erst viel viel später realisiert, was sich in dem Klassenzimmer abgespielt hatte. Und so wie mir geht es tausenden von Eltern mit ihren Grundschulkindern. Mein Sohn ist inzwischen erwachsen. Aber in meinen Elternrunden berichten die Eltern immer noch regelmäßig von den Fröschen an der Wand.

    Was hat es mit diesen Fröschen auf sich?

    Sie dienen der Bloßstellung der Kinder. Denn immer dann, wenn ein Kind seine Hausaufgabe vergessen hat, wird ein Zahn schwarz angemalt. Für alle Kinder ist also sichtbar wer seine Hausaufgabe nicht gemacht hat. Manche Lehrkräfte benutzen auch „Eckenkarten“ oder Strichlisten an der Wand und ähnliches. Die Wirkung dieser Maßnahmen ist verheerend. Es begünstigt Mobbing, es beschämt und stellt Kinder bloß. Früher mussten die Kinder in die Ecke stehen oder bekamen Tatzen. Heute ist die Gewalt verdeckter.

    Außerdem wird damit legitimiert, dass man ein Kind bloßstellen darf – Mobbing!

    Hausaufgabenstress

    Eltern melden mir häufig zurück, dass die Hausaufgabensituation zu Hause sehr stressig ist. Die Kinder stehen offenkundig unter einem hohen Druck alles richtig zu machen. Selbst wenn sie aus Versehen die falsche Hausaufgabe gemacht haben oder etwas fehlt wird der Zahn zumindest zur Hälfte schwarz. Manche Kinder schreiben die Hausaufgabe falsch ab oder werden nicht rechtzeitig fertig mit dem Abschreiben. Eltern verbringen ganze Nachmittage damit, in Whatsapp-Gruppen herauszufinden, was die Kinder auf haben. Ein Mega-Stress das Ganze. Der Ursprung liegt aber in der Schule. Zig Eltern machen dann die Hausaufgaben für die Kinder nur um sie vor der Bloßstellung zu bewahren. Die Gewalt geht vom System aus.

    Mich würde ja interessieren, wer den Lehrkräften diese schwarze Pädagogik aus dem vorigen Jahrtausend beibringt. Schulangst wird schon sehr früh gelernt. Und kein Kind kann sich dem entziehen.

    Autoritäres Erziehungssystem

    An den Schulen herrscht ein autoritäres Erziehungssystem1. Die Eltern lernen aber in Kursen und aktuellen Büchern ein autoritatives Erziehungssystem2. Sobald aber die Kinder in die Schule kommen kippt die Erziehung zu Hause häufig auch in ein autoritäres System. Sehr zum Schaden für die Familienbeziehungen und der Entwicklung der Kinder.

    Schulknick

    Dieser „Schulknick“ ist deutlich spürbar und auch sichtbar. Die Frösche stehen für mich für ein perfides System der Kontrolle und Machtausübung an den Schulen. Vielen Lehrkräften ist überhaupt nicht klar was sie damit anrichten. Es geschieht nicht aus Boshaftigkeit sondern schlicht aus Unwissenheit. Die Lehrkräfte denken tatsächlich, dass das eine gute Methode ist um den Kindern Disziplin und Gewissenhaftigkeit beizubringen. Die Kinder sollen damit eine gute Arbeitshaltung lernen und sich konzentrieren. Aber unter Angst und Stress lernt es sich schlecht.

    Wer hat Angst vor´m schwarzen Zahn?

    1Autoritäres Erziehungssystem: Hohe Autorität der Bezugspersonen, wenig Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kinder, klare Hierarchie, strenge Regeln, Erziehung über Lob und Strafe, distanziertes Bezugsperson-Kind-Verhältnis

    2Autoritatives Erziehungssystem: „Spielerischer Einsatz“ der Autorität, kindliche Bedürfnisse werden respektiert, partnerschaftliches Miteinander, klare Regeln, Verhandlungsbereitschaft, der Fokus liegt auf Eigeninitiative und Selbständigkeit des Kindes

    Eine Klasse übersprungen – ein Erfahrungsbericht

    Viele Eltern haben große Angst vor der Entscheidung dass ihr hochbegabtes Kind eine Klasse überspringt. Ihre Sorge ist dass ihr Kind ausgegrenzt werden könnte, zu klein sei und damit eher gemobbt wird usw.

    Aber auch Lehrkräfte raten häufig davon ab.

    Positive Effekte laut Studienergebnissen

    Laut Studienergebnissen wie u.a. die Hattie-Studie gibt es aber sehr positive Effekte von Akzeleration als Fördermaßnahme bei hochbegabten Kindern: „Den stärksten Effekt in seiner Auswahl hat mit einer Effektstärke3von 0,88 das Überspringen von Jahrgängen bei starken Schülern (im Gegensatz zum Verharren in der alten Gruppe). „

    Im Gegenteil: die Wirksamkeit dieser Maßnahme ist als sehr gut zu bewerten.

    Hier darf ich nun eine anonymisierte Rückmeldung als Beispiel von vielen Erfahrungen veröffentlichen:

    „Michael (Name geändert) hat gleich nach dem IQ-Test in die dritte Klasse gewechselt und ist seither total stolz, happy und hoch motiviert. Er kommt jeden Tag von der Schule heim und sagt „Mama, es war soooo toll und spannend in der Schule“. 

    Die Lehrer haben mir in einem Gespräch diese Woche rückgemeldet, dass es absolut die richtige Entscheidung war und dass Michael (Name geändert) sowohl in Mathe als auch in Deutsch wunderbar mitkommt und man kaum einen Unterschied zu der restlichen Klasse merkt. 

    Für uns als Eltern ist es natürlich herausfordernd, weil wir Michael (Name geändert) oft zu Zusatzaufgaben motivieren müssen, damit er ein paar wesentliche fehlenden Sachen noch aufholt. Nicht immer hat er Lust dazu. Es hat halt so schon mit den Hausaufgaben ziemlich angezogen, das ist er noch nicht gewohnt. (Wirksamkeit von Hausaufgaben)

    Alles in allem läuft es richtig gut und Michael (Name geändert) genießt tatsächlich bei seinen ehemaligen Klassenkameraden etwas mehr Ansehen. Es sind alle sehr neugierig und in der neuen Klasse wurde er total nett aufgenommen. 

    Wir sind sehr dankbar, den Weg zu Ihnen gefunden zu haben.“

    „Michael“ hatte vor dem Klassensprung auch Probleme mit anderen Klassenkameraden. Diese Probleme sind nach dem Sprung verschwunden.

    Allerdings muss man auch sagen, dass die Wirkung nach ca. 1/2 Jahr wieder nachlässt. Deshalb sage ich Eltern immer wieder das jede Entscheidung für 1 Jahr ist und man dann, im klassischen Schulsystem mit Unterricht und Klassenstrukturen in Flurschulen, wieder nachjustieren muss. Denn hochbegabte Kinder reagieren früher und deutlicher auf schlechte Rahmenbedingungen, die Selbstorganisation, Lernen und Entwicklung hemmen statt zu fördern.

    Diese Geschichte ist beispielhaft für ganz viele Kinder mit Hochbegabung. Ohne Klassensprung ist die Entwicklung meist deutlich schwieriger für diese Kinder. Je früher die Kinder gefördert und unterstützt werden desto stabiler verläuft die Persönlichkeitsentwicklung.

    Jahrelanger Kampf mit der Grundschule

    Das ist die Geschichte von einem Jungen, der sich in der Grundschule von Anfang an nicht wohlfühlte. Es war dort so schwierig für ihn, dass er somatische Beschwerden entwickelte. Nach langem Kampf der Eltern gab es ein Happy End an einer anderen Schule. Ich darf hier (natürlich anonymisiert) die Rückmeldung seiner Mutter veröffentlichen:

    Liebe Silvera,

    wir als Familie sind inzwischen zur Ruhe gekommen. Daher habe ich die Zeit und auch den Wunsch ein paar persönliche Worte an dich zu richten.

    Rückblickend waren die Jahre 2024 und 2025 für uns äußerst nervenaufreibend. Über lange Zeit drehte sich bei uns nahezu alles um Schule und Hausaufgaben.

    Marathon an Arztterminen

    Wenn ich auf den vorausgegangenen Weg zurückblicke – den Marathon aus Arztterminen, Diagnosen und Physiotherapien – dann war die Begegnung mit dir ein entscheidender Wendepunkt. Deine klare Empfehlung, einen Intelligenztest zu machen und das anschließende Ergebnis haben uns enorm entlastet. Zu wissen, dass mit unserem Sohn alles in Ordnung ist, war beruhigend. Gleichzeitig stellte uns diese Erkenntnis vor eine neue Aufgabe: ihm das zu geben, was er braucht, um wachsen und sich entfalten zu können – und ihm langfristig zu ermöglichen, zu verstehen, dass er gut ist, so wie er ist und selbstbewusst sein darf.

    Sprengelgrundschule

    Du weißt: Mit der Grundschule in (Ort) liegt ein langer und anstrengender Weg hinter uns, geprägt von viel Unverständnis und einer spürbaren Gleichgültigkeit. Erst zu Beginn der dritten Klasse kam mit einer jungen, engagierten Lehrerin erstmals jemand, der erkannte, dass (Kind) kognitiv weiter ist als viele andere Kinder und zumindest ansatzweise versuchte, die Anforderungen an ihn anzupassen.

    Gleichzeitig wurde für uns immer deutlicher, wie belastend der Schulalltag dort für (Kind) war. In den Klassen herrschte ein hohes Maß an Aggression, es gab Gewaltandrohungen, Schlägereien und eine sehr vulgäre Ausdrucksweise. Auch wenn (Kind) nie direkt involviert war, war er diesen Umständen täglich ausgesetzt. Der Unterricht war häufig so laut, dass Kinder mit Kopfhörern arbeiten sollten – ein Umstand, der uns sehr nachdenklich gemacht hat. Wir haben deutlich gespürt, dass es (Kind) unter diesen Bedingungen zunehmend schlechter ging. Auch vor diesem Hintergrund haben wir die Entscheidung getroffen, die Schule zu wechseln.

    Wechsel an die Privatschule

    (Kind) besucht nun seit acht Wochen die (Privatschule).

    Im Halbjahresgespräch habe ich zum ersten Mal ausschließlich Positives über mein Kind gehört. Eine Lehrerin, die zu ihm sagt: „(Kind), ich weiß, dass du das kannst. Du bekommst das hin. Du musst nur noch an deiner Konzentration arbeiten.“ Sie sieht, dass er Inhalte einmal aufnimmt, verarbeitet und zuverlässig abrufen kann, wenn er sie braucht. Sie erkennt, wie weit er kognitiv ist, und hat Freude daran, ihn auf seinem Weg zu begleiten – damit er das sein kann, was er ist:

    ein neugieriger, lebensfroher Junge, der zudem sehr intelligent ist.

    Hier darf man sein wer man ist

    (Kind) ist angekommen. Er ist integriert. Vor allem aber fühlt er sich wohl. Er ist wieder motiviert und lebensfroh – so sehr, dass er von sich aus entschieden hat, wieder Schlagzeugunterricht zu nehmen und sich seinen Interessen erneut zu öffnen. Durch seine jetzige Klassenlehrerin hat er gelernt, dass Anderssein erlaubt ist – und dass „anders“ in seinem Fall auch bedeutet, intelligenter zu sein.

    Wir erleben dort eine individuelle Förderung, wie wir sie uns lange gewünscht haben. Sind Inhalte einmal zu viel, werden sie reduziert.

    Kann er wieder mehr leisten, darf er das auch. Natürlich gibt es weiterhin tägliche Diskussionen rund um Hausaufgaben, aber sie sind für ihn nicht mehr belastend. Heute sagt er: „Ich mache das auch für meine Lehrerin. Ich zeige ihr, dass ich das kann.“

    Vorurteile des Rektors der staatlichen Grundschule verunsichern

    Warum ich auch rückblickend sehr froh über den Schulwechsel bin, ist ein denkwürdiges Gespräch mit dem Rektor der Grundschule in (Ort). Uns wurde – mehr oder weniger deutlich – nahegelegt, dass ein Wechsel an eine Privatschule ein Risiko darstelle. Sollte (Kind) später an eine staatliche Schule oder ein staatliches Gymnasium zurückkehren wollen, sei dieser Weg keineswegs selbstverständlich. Er müsse Aufnahmetests absolvieren und könne im Zweifel auch abgelehnt werden. Begründet wurde dies damit, dass die (Privatschule) angeblich deutlich „leichter“ sei als eine staatliche Grundschule und inhaltlich weit hinter dem staatlichen Niveau zurückliege. Diese Aussage hat mich zunächst sehr verunsichert. Gleichzeitig habe ich mich an deinen Rat erinnert: „Entscheidungen müssen danach getroffen werden, was ein Kind braucht, um glücklich und stabil zu sein – nicht danach, was theoretisch irgendwann einmal problematisch werden könnte.“

    Wenn ich heute auf die letzten Wochen an der (Privatschule) blicke, kann ich mit Überzeugung sagen: Diese Schule steht einer staatlichen Grundschule – gerade in Bayern – in nichts nach. Im Gegenteil. Die Kinder sind in allen Fächern, insbesondere in Mathematik und Deutsch, deutlich weiter. Die Lehrinhalte sind klar, sinnvoll strukturiert und auf das Wesentliche konzentriert. Die Kinder lernen das, was sie wirklich können müssen, und werden nicht mit Wiederholungen belastet, die sie längst beherrschen.

    Die Schule ist zudem bilingual. Obwohl (Kind) zuvor zwei Jahre Englisch verpasst hatte, hat er diesen Rückstand innerhalb der wenigen Wochen aufgeholt. Wir erleben sehr deutlich, dass dieses Konzept für ihn hervorragend funktioniert und dass er es kognitiv wie sprachlich sehr gut umsetzen kann. Auch die Arbeitsblätter und Lerninhalte sind für uns deutlich plausibler und stimmiger. Die Materialien sind nicht auf endlose Wiederholungen ausgelegt, sondern darauf, zügig und sinnvoll mit dem Lernstoff voranzukommen – ein Ansatz, der für ein intelligentes Kind deutlich passender ist. Besonders positiv empfinden wir, dass der Blick nicht ausschließlich auf schwächere Kinder gerichtet ist, sondern dass jedes Kind sich individuell in seinem eigenen Tempo entwickeln darf.

    Was wirklich geholfen hat

    Ein wichtiger Baustein auf diesem Weg waren deine Veranstaltungen, Infotreffen und Spiele-Events. Sie haben uns geholfen zu verstehen, was Intelligenz und Hochbegabung im Alltag bedeuten – und was wir als Familie daraus machen können. Insbesondere die Ergebnisse des Intelligenztests haben uns dabei geholfen, die Profile einzelner Schulen deutlich schärfer zu betrachten. Wir konnten klarer definieren, was für uns infrage kommt und was wir bewusst ausschließen. Gerade im schulischen Kontext waren diese Erfahrungen enorm wertvoll, weil wir heute sehr viel gezielter und realistischer in Richtung weiterführende Schule blicken können.

    (Kind) ist nach dieser kurzen Zeit an seiner neuen Grundschule so gut entwickelt, dass sogar ein Überspringen in die vierte Klasse zum Halbjahr im Raum stand. Wir haben uns als Familie bewusst dagegen entschieden, weil er jetzt angekommen ist: Er hat Freunde, er ist integriert, er ist Teil der Gemeinschaft – und nicht mehr nur eine Randerscheinung wie zuvor. Das tut ihm unheimlich gut und gibt ihm sichtbar Kraft.

    (Kind) ist nach wie vor ein ruhiges, in sich gekehrtes Kind.

    Gleichzeitig sehen wir jeden Tag, wie er mehr aufblüht und beginnt, Schule zu genießen – und das ist bei der vielen Zeit, die Kinder dort verbringen, von unschätzbarem Wert.

    Ich wünsche mir für seine Zukunft, dass er erkennt, welchen Schatz er in sich trägt, und dass er eines Tages selbstbewusst und stark seinen Weg gehen kann.

    Wir sind sehr dankbar für die Möglichkeit dieses Wechsels.

    Der Intelligenztest, deine Begleitung und die daraus gewonnenen Erkenntnisse haben uns geholfen, mutige, aber richtige Entscheidungen zu treffen.

    Und zum ersten Mal seit sehr langer Zeit kann ich mit voller Überzeugung sagen:

    Ich habe mein Kind wieder!

    Liebe Grüße

    Caught in a cage

    Gedanken eines Teenagers im Underachievement

    Gefangen in einem Käfig

    Caught in a cage. With no escape.

    All those people wanting you to do good, to be fine.

    But I´m not. It´s like never ending hell.

    And you have to go there everyday.

    They want you to be motivated. But how can you be motivated if you have to enter the doors to hell over and over again.

    There´s no room to breath.

    No room for individuals.

    That hell is called school.

    If you don´t have good grades, the teachers will put pressure on you, especially emotional.

    And if you won´t do better they´ll make you feel like you let your mother down, and no one wants to feel like that.

    Everybody who would have the power to change hell treats it like it would be HOLY and you would die if you just talked about changing it.

    Was macht Underachievement mit deinem Kind

    Wenn man ein Schulkind nicht frühzeitig aus dem Underachievement rausholt, dann entwickeln diese Kinder häufig psychosomatisch Beschwerden. Hier würde nur ein beherztes Eingreifen auf Seiten der Schule und der Eltern helfen. Schlechte Noten sind ein Symptom – hier braucht es Akzeleration, Enrichment oder Binnendifferenzierung und unbedingt psychosoziale Unterstützung.

    Manchmal braucht es einen Schulwechsel für einen Neustart

    Dieses Kind hat die Schule gewechselt, an der neuen Schule ein Drehtürmodell nutzen dürfen (Teilnahme am Unterricht in einem Fach in einer höheren Klasse) und zusätzliche Begabungskurse besucht. Innerhalb eines Jahres besserten sich die Noten deutlich und diesem Kind ging es deutlich besser. Ja es hat sogar wieder Lust auf die Schule bekommen.

    Underachievement sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen.

    Sprechen Sie uns an – wir finden einen Weg!